Manager erzählen I
Mein Name tut hier nichts zur Sache. Sagen wir, dass ich für ein multinationales Unternehmen mit Sitz in Wien für das Controlling zuständig bin. Zahlen bestimmen mein Leben, oder besser: bestimmten. Bis ich Mistress Katrina kennenlernen durfte. Seitdem nehme ich mir alle zehn Tage eine Auszeit von meinen Agenden, mir gelingt es, zu Füßen dieser Herrin meiner eigentlichen Bestimmung nachzugehen – nämlich kontrolliert zu werden, und nicht zu kontrollieren.
Wenn ich ihr zur Füßen liege, wenn ich mich ihre Stiefel hoch küsse, wenn ich spüre, wie ihre Gerte über meinen Körper wandert, dann fühle ich mich geborgen. Kein Gedanke mehr daran, dass die Rechnungen nicht aufgehen, dass es auch in unserem Unternehmen kleinere und größere Betrügereien gibt. Hier, in ihrem Reich, kann ich weder Mistress Katrina noch mich selbst betrügen. Hier öffnet sich mein Herz und meine Seele, bei jedem Schlag auf meinen verlängerten Rücken mehr, und mit jedem Kuss auf das Leder ihres Schuhwerks.
Doch als die göttliche Mistress Katrina vor einigen Tagen unvermutet spätabends in meinem Büro aufkreuzte, war ich doch etwas überrascht. Wie hatte sie sich am Portier vorbei geschlichen?, dachte ich – und gab mir die Antwort selbst: Der wird schon gegangen sein. Und wie hatte sie mein Büro gefunden… doch eher ich weiterdenken konnte, drang ihre schneidende Stimme in mein Gehirn: „Warum kniest du noch nicht vor mir?!“ Ich war sprachlos. Hier knien, in meinen Räumlichkeiten, in Anzug und Krawatte? Der Duft ihres Parfums lag in der Luft und verstärkte sich, als Mistress Katrina nahe an mich herantrat. „WARUM KNIEST DU NOCH NICHT VOR MIR?“, wiederholte sie, und ohrfeigte mich links und rechts, um ihren Worten Nachdruck zu verleihen.
Um mich herum versank die Welt des Konzerns. Vor meinem geistigen Auge sah ich, wie sich der Arbeitstisch in die Bondage-Bank, das Ordner-Regal in ein Andreas-Kreuz, der Computer in diverse Schlaginstrumente verwandelte. Es war nicht mehr mein Büro, es war Mistress Katrinas Kammer… Ich sank zu Boden. Die Domina, der ich gehöre, sieht immer sensationell aus, doch an diesem Abend schien sie einer Boutique entstiegen. In hochhackigen Stiefeln, Netzstrümpfen, kurzen Rock, Bluse und Sakko erweckte sie den Eindruck einer Business-Lady ersten Ranges. In ihrer Hand hielt sie jene Gerte, an die sich mein Arsch nur allzu gut erinnerte – er hatte nicht die besten Erfahrungen mit diesem Schlaginstrument gesammelt.
Sie begann zu sprechen, während ich voller Demut meine Lippen auf ihre Schuhe drückte. „Wir haben Jahresbeginn, Zeit für Buchhaltung und Controlling, und da habe ich mir gedacht: Warum soll ich dir nicht dabei helfen?!“ Immer noch verwirrt, bedankte ich mich: „Das ist sehr nett, Herrin, da ist wirklich sehr viel zu tun.“ Ich hatte in einem Nebenraum alle buchhalterischen Unterlagen auf einem Tisch ausgebreitet, sortiert, teilweise kontrolliert und abgelegt, teilweise als fraglich eingestuft. „Wollen Sie mir bitte in den Nebenraum folgen?“ Das war ein Fehler. Rasch beugte sich meine Herrin zu mir herab, hob mit einer Handfläche meinen Kopf ein wenig und watschte mich mit der anderen Hand mehrmals ab: „DU wirst mir folgen, auf allen vieren, wie ein braves Hündchen – und mit deinen Lippen immer schön brav meine Schuhe küssend! Verstanden?“
Ich durfte Mistress Katrina die Richtung weisen, dann stolzierte sie voraus und ich kroch hinter ihr her, mein Kopf gerade Zentimeter vom Boden entfernt, meine Lippen immerzu an den Stiefeln von Mistress Katrina klebend.
Doch auch im Nebenraum durfte ich nicht aufstehen. „Herrin, wie soll ich die Belege sortieren?“ „Du bist heute aber schon sehr vorlaut“, antwortete Mistress Katrina. Ich hörte, wie die Gerte über den Tisch fuhr, und Papier rascheln. „Bitte, nichts durcheinander bringen“, wagte ich zu hauchen. Mehr hätte ich nicht sagen brauchen. Ein Fußtritt in meine Seite folgte, und schon flogen die ersten Unterlagen zu Boden. Mistress Katrina benötigte keine dreißig Sekunden, um meine Arbeit der letzten drei Tage zunichte zu machen. Als der Tisch leer und der Boden voll war, lachte sie hämisch auf, warf sich in den Sessel, und zündete sich genussvoll eine Zigarette an. Auf das Rauchverbot wollte ich meine Herrin nicht aufmerksam machen, sondern wartete meinem Schicksal ergeben auf die nächsten Befehle.
„Los, los, aufräumen!“, herrschte mich Mistress Katrina an, lachte auf und fragte: „Oder möchtest du, dass ich den Müll auch noch anzünde?“ Eilig machte ich mich daran, die Papiere mehr schlecht als recht zu sortieren. Immer wieder spürte ich die Gerte meiner Herrin, einmal streichelnd, einmal schlagend.
Nach zehn oder 15 Minuten wurde es Mistress Katrina anscheinend langweilig. Sie stand auf, ging in das Büro zurück und kam mit einem Halsband aus Eisen zurück. Ehe ich es mir versah, hatte sie es mir auch schon angelegt. „Siehst du diesen Schlüssel? Hoffe, dass ich ihn nicht verliere. Du wirst die ganze Nacht hier arbeiten, ich weiß ja, dass du morgen um 9 Uhr dem Vorstand Bericht erstatten musst. Vielleicht bin ich gnädig und nehme dir das Halsband um halb neun Uhr im Cafe auf der gegenüberliegenden Straßenseite ab, vielleicht auch nicht.“
Und mit dieser Frage, die die Ungewissheit und Verzweiflung in mir schürte, ließ sie mich in meinem Elend zurück…
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