Im Käfig
Nein, man konnte nicht sagen, dass der Käfig, den seine Herrin angeschafft hatte, gemütlich wäre. Aber das war ja auch nicht der Grund, wie Mistress Katrina ihm mit einem süffisanten Lächeln mitgeteilt hatte. Der Grund war, ihn einfach aus dem Verkehr zu ziehen, aus dem Verkehr jeglicher Art. „Ich will, dass du dich in den nächsten Stunden nur auf das konzentrierst, was tatsächlich wichtig ist in deinem mickrigen Leben, auf mich!“, hatte sie ihm gesagt, als sie ihm die Hände mit Handschellen auf dem Rücken fesselte und das Eisen auf seiner Haut mit weiterem Eisen mit dem Barren des Kubus verband, als er dann im Käfig kniete.
„Denke in meiner Abwesenheit über dein jämmerliches Dasein nach“, hatte sie ihm aufgetragen. „Denke darüber nach, ob es deiner Herrin zur Ehre gereicht, wenn du dich durch die Gegend fickst und an aktionsloseren Tagen selbst befriedigst. Denke darüber nach, ob es rechtens ist, dass du, Sklave, dich aufführst als wärst du der Herr. Es darf keine andere Frau für dich geben als mich, und du musst glücklich darüber sein, mir die Füße küssen zu dürfen, kleiner Wurm.“
Um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, hatte sie das Schloss mit dermaßen großer Wucht zugeworfen, dass der Knall des Metalls wohl noch einen Stock tiefer zu hören sein musste. Sie schloss ab, trat einen Schritt zurück und ergötzte sich an ihrem Gefangenen. Die Handschellen schnitten in sein Fleisch, die Knie rieben sich bereits jetzt an den Eisenstangen, und aufgrund eines Kugelknebels ging der Atem hörbar schnell. Mistress Katrina war zufrieden. Rapide drehte sie sich um, und das Klappern ihrer Absätze wurde leiser. Er hörte die Wohnungstür auf- und zugehen. Seine Herrin ging, Stille kehrte ein.
Dies war vor einer Stunde. Oder waren es schon zwei oder mehr? Keine Ahnung. Irgendwann hatte er das Zeitgefühl verloren. Das Fenster war mit einem schweren, dunklen Vorhang verhangen, sodass er sich nicht am Tageslicht orientieren konnte. Und wenn schon. Was machte es aus, zu wissen, wie lange er schon gefangen saß? Er konnte ja nicht wissen, ob Mistress Katrina in fünf oder 15 Minuten in fünf oder 15 Stunden zurückkehren würde.
So war er vielmehr damit beschäftigt, sich auszumalen, wie er seiner Herrin zu Diensten sein könnte, wenn sie den Kerker wieder aufschloss. Ich werde nicht mehr herumhuren, wimmerte er in sich hinein, und ich werde die Mistress anflehen, mit einen Keuschheitsgürtel anzulegen, damit ich mich nicht mehr selbst befrieden kann. Und ich werde sie verehren, Tag für Tag, ich werde ihr Blumen zukommen lassen, einmal die Woche, ich werde versuchen, mich möglichst oft in ihrer Nähe aufzuhalten. Ich gehöre ja ihr.
Immer und immer wieder ging er diese Gedanken durch, immer stärker wurden seine Schmerzen und immer größer seine Hoffnung, dass Mistress Katrina bald wiederkommen möge.
Irgendwann hatten ihn dann die Sinne verlassen, und aufgeweckt wurde er von einem Eimer kalten Wassers, das seine Domina, über ihn geschüttet hatte. „Jetzt komme ich wieder und was muss ich feststellen – dass du schläfst?!“, empörte sich die schöne Lady. Sie griff durch die Eisenstäbe und entfernte seinen Knebel. „Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen?“ „Gnade, Herrin…“, flüsterte er. „Nein, keine Gnade mit Taugenichten wie dir“, bellte sie zurück. Sie zog aus der mitgebrachten Tasche einen Take Away Behälter eines chinesischen Lokals und fütterte ihn mit Reis, ehe sie ihm dem Knebel wieder tief in den Mund schob.
„Du hast Deine Lektion noch nicht gelernt“, sagte sie mit einem süß-saueren Gesichtsausdruck, und schickte sich an zu gehen. „Gute Nacht, und bis morgen.“
Sein Schmerzschrei war ein Grunzen, der sie belustigte. „Füge dich deinem Schicksal, Sklave.“
Jänner 2010 sklave michael
Sklave Michael
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