Das Plappermaul
Von einem nahen Kirchturm hörte er die Uhr schlagen, versuchte, die Töne der Glocke mitzuzählen und wusste: seit zwei Stunden lag er nun unter dem Schreibtisch in Mistress Katrinas Arbeitszimmer. Es war ihm eine große Ehre gewesen, dass seine Herrin ihm bei ihrem letzten Telefonat am Tag zuvor aufgetragen hatte: „Komme morgen zu mir, so gegen 14 Uhr, ich habe eine Arbeit, die du zu erledigen hast. Und bring genug Zeit mit!“ Artig hatte er sich bedankt und sich zum festgesetzten Zeitpunkt bei seiner Domina eingefunden. Blumen hatte er mitgebracht, und jene Schoko-Pralinen, die Mistress Katrina so sehr mochte.
Als sie ihm die Tür öffnete, trat er ein und vollzog das gewünschte Ritual. Er kniete nieder und küsste die Stiefel der Lady und wartete darauf, bis sie sich zu ihm niederbeugte, mit der einen Hand unter sein Kinn fuhr und den Kopf nach oben hob, so dass sich ihre Augen trafen. Mit der anderen versetzte sie ihm, as usual, eine schallende Ohrfeige, lächelte dazu und sagte: „Willkommen, Sklave.“ Während er sich splitternackt auszog, legte sie ihm eine Halsband aus Eisen um, an dem bereits ein kleinen Glöckchen und eine Leine befestigt waren.
Sie trat um ihn herum und fixierte seine Hände mit Handschallen am Rücken. Und als sie sah, dass ihm dies alles erregte, trat sie ihrem Besitz auch gleich zwei Mal in die Weichteile. „Du Sau, noch keine fünf Minuten da und schon bist du geil. Was bildest du dir ein? Na warte, dir werde ich es heute schon zeigen.“ Mistress Katrina schnappte sich die Leine und befahl ihm, auf den Knien hinter ihr her zu kriechen und möglichst wenig Lärm mit seiner Glocke zu machen (was mehr schlecht als recht gelang). Sie schritt an der Nasszelle vorbei, auch an der schwarzen Kammer. Er hatte keine Ahnung, was sie vorhatte, und noch weniger, was er zu tun hätte.
Die Herrin öffnete eine andere Tür in ihrem Studio, das wie ein Büro eingerichtet war, mit Tisch und Computer, mit Sofa und Bücherregal, mit Büchern und Ordnern. „Schleich dich unter den Tisch“ befahl sie ihm, „Arsch nach hinten, Gesicht zu mir“. Als er endlich in der gewünschten Stellung war, befestigte sie die Leine an einem Haken im Boden. „Du wirst von hier nicht abhauen können“, sagte sie. „Auf dem Tisch liegt ein Aufnahmegerät. Während meiner Abwesenheit will ich keinen Laut von dir oder deiner Glocke hören. Ein Laut sind zehn Peitschenhiebe, und, mein Süßer, flat-rate gibt es bei mir nicht.“ Dann ließ sie ihn, zu seinem Erstaunen, allein zurück. Das muss vor ungefähr zwei Stunden gewesen sein. Er fragte sich, ob das die Aufgabe gewesen wäre, von der seine Herrin gesprochen hätte: Schweigsamkeit und Ruhe üben. Immerhin hatte sie sich in vorangegangenen Sessions immer wieder bei ihm beschwert, dass er immer den Mund offen habe, eine Plapperweib sei, wie sie kein zweites kenne – nicht umsonst hatte sie ihn schon mit Frauennamen belegt, Maria-Theresia, Elisabeth-Olga, Antonia-Marie und so weiter, alles Doppelnamen jedenfalls, was Aufschluss über seine Geschwätzigkeit geben sollte. Immer dann, wenn er sich zu rasch bewegt hatte, waren zehn Hiebe fällig geworden. Das wusste er, und er wusste, dass Mistress Katrina keine Nachlässe machte.
Doch weil auch seine Hände auf dem Rücken zu schmerzen begannen, wünschte er sich nunmehr nichts sehnlicheres als die Rückkehr seiner Herrin…
to be continued, by sklave michael, Februar 2010
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